Gisela Küter.

Portrait von Gisela Küter

In der ersten Folge berichten wir über Gisela Küter, die weit über die Grenzen Klinkrades hinaus durch ihre Vorträge in Plattdeutsch bekannt geworden ist. Aber sie hat noch sehr viel mehr zu bieten.

 Sie schreibt, sie malt, sie liest, sie musiziert und sie reist unermüdlich umher, denn ihr Kopf ist voller neuer Ideen. Gisela Küter kommt mit ihren 72 Jahren einfach nicht zur Ruhe und das würde gar nicht in ihr Persönlichkeitsbild passen. Ihre stets strahlenden Augen und das spitzbübische Lächeln um ihre schmalen Lippen verraten einen gesunden und trocknen Witz. Gisela ist bodenständig, sie liebt nicht nur ihren Günter vom Kindesalter an, vielmehr liebt sie das freie Leben in der weißen Villa am Schäferkaten auf dem platten Land. Da passt auch die Tatsache in ihr Weltbild, dass sie seit 72 Jahren nicht nur in dieser Villa wohnt, vielmehr auch noch immer in dem Bett schläft in dem sie geboren wurde. Und das war zu jener Zeit, als Mutter “Gripsch” (kommt von greifen) die Kinder in Klinkrade zur Welt holte. Das war auch die Zeit als Klinkrade, mit seinen 350 Einwohnern, ein noch völlig autarkes Bauerndorf wie aus dem Bilderbuch war. “Man hätte einen hohen Zaun um das Dorf bauen können”, sagt Gisela, “und wir alle hätten ohne fremde Hilfe ein langes Leben führen können”. Und dann reiht sie wie Perlen auf einer Schnur, all die Leute auf, die damals, im Jahre 1929, das Dorf fest in ihren Händen hatten.

 “Da waren zwei Schmiede, zum einen der alte Gatermann im Meiereiweg und auch noch den Karl Schütt, der  hauptsächlich für das Beschlagen der Pferde zuständig war.”  Mit glänzenden Augen schwelgt Gisela Küter weiter in der alten Zeit und schwärmt von den vielen Pferden, die damals das Straßenbild im Dorf beherrschten. “Und an den Sonntagen wurden sie vorgespannt und man fuhr zur Kirche, an der Wehrensteich oder zum Fliegenberg”, erzählt sie weiter. “Damals gab es doch nur drei Automobile. Eins besaß der Bäcker Ernst Löding, das andere der Tischler Groth, na ja und wir, ja wir hatten doch auch schon so ein Auto, einen alten Opel P4 für unseren Krämerladen.” 

Zu den Handwerkern im Dorf zählten damals auch die beiden Sattler Ernst Funk und Rudolf Stamer, die das Zaumzeug für die Pferde anfertigten. Gisela blickt zur Decke in ihrem Wohnzimmer als würde sie von dort oben ablesen können, was alles aus ihr heraussprudelt. Vom Zigarrenmacher Pantelmann erzählt sie und von den Malern Brüchmann und Funk, von dem Stellmacher Heinrich Rall und von der Kneipe Pein mit der integrierten Poststelle und dem einzigen Telefon im Dorf könnte sie noch stundenlang schwärmen.

Gisela Küter besuchte die einklassige Schule im Dorf und erinnert sich noch gerne  an den Lehrer Burmester, der wie ein Vater zu den Kindern war. “Damals war die Schule noch eine große Familie und wir Kinder gingen gerne in das große Gebäude”. Nach dieser Schulzeit besuchte sie die Handelsschule in Lübeck. Als Transportmittel diente ein alter Bus mit Holzvergaser, der in den kalten Wintermonaten oft genug von den Schulkindern den Kleverberg hinauf geschoben werden musste. Und dann kamen die Kriegsjahre, die Klinkrade nur am Rande des Geschehens erlebt hat. Bis auf ein Flugzeug, das am Kleverberg abgeschossen wurde und einem Blindgänger in der Meierei blieb das Dorf verschont.

Jetzt nippt Gisela an ihrer Kaffeetasse und beugt sich weit zu mir herüber, so als will sie mir etwas erzählen, dass andere nicht hören sollen. “Einmal kam mitten in der Nacht der Bürgermeister Gottfried Pein zu uns und übergab uns drei Flüchtlinge. Alle im Dorf mussten diese armen Leute aufnehmen. Wo sollten sie denn sonst hin?”

Seit ihrem 18. Lebensjahr half Gisela Küter im elterlichen Geschäft. 1954 heiratete sie ihren Günter, der aus Pommer kam. Gemeinsam erlebten sie die nächsten Jahre, die das beschauliche Dorf veränderten. “Das ging in den fünfziger Jahren so richtig los”, sagt sie nachdenklich. “Die Straßen wurden geteert und plötzlich musste man aufpassen, um nicht von einem Auto umgefahren zu werden. In vielen Haushalten gab es Telefone, man musste nicht mehr zu den Leuten gehen um mit ihnen zu klönen Der Griff zum Telefon ersparte einen Weg. Abends saß man nicht mehr mit Freunden und Nachbarn zum Klönen vor dem Haus. Das Fernsehen eroberte das Dorf und um acht Uhr abends saß man vor der Glotze und wollte nicht mehr gestört werden. Das schuf tiefe Furchen in die Gemeinde, Die Pferde wurden durch lärmende Traktoren ersetzt, Schmiede und Sattler mussten um ihre Zukunft bangen. Nun ja, und schließlich kamen die ersten Fremden ins Dorf. Sie sahen anders aus und sie sprachen eine andere Sprache als wir. Plattdeutsch verstanden die doch nicht. Das Handwerk ging zurück, die Betriebe machten dicht, die Bauern verkauften ihre Kühe und gingen in die Städte arbeiten”

Zu den Handwerkern im Dorf zählten damals auch die beiden Sattler Ernst Funk und Rudolf Stamer, die das Zaumzeug für die Pferde anfertigten. Gisela blickt zur Decke in ihrem Wohnzimmer als würde sie von dort oben ablesen können, was alles aus ihr heraussprudelt. Vom Zigarrenmacher Pantelmann erzählt sie und von den Malern Brüchmann und Funk, von dem Stellmacher Heinrich Rall und von der Kneipe Pein mit der integrierten Poststelle und dem einzigen Telefon im Dorf könnte sie noch stundenlang schwärmen.

Gisela Küter besuchte die einklassige Schule im Dorf und erinnert sich noch gerne  an den Lehrer Burmester, der wie ein Vater zu den Kindern war. “Damals war die Schule noch eine große Familie und wir Kinder gingen gerne in das große Gebäude”. Nach dieser Schulzeit besuchte sie die Handelsschule in Lübeck. Als Transportmittel diente ein alter Bus mit Holzvergaser, der in den kalten Wintermonaten oft genug von den Schulkindern den Kleverberg hinauf geschoben werden musste. Und dann kamen die Kriegsjahre, die Klinkrade nur am Rande des Geschehens erlebt hat. Bis auf ein Flugzeug, das am Kleverberg abgeschossen wurde und einem Blindgänger in der Meierei blieb das Dorf verschont.

Jetzt nippt Gisela an ihrer Kaffeetasse und beugt sich weit zu mir herüber, so als will sie mir etwas erzählen, dass andere nicht hören sollen. “Einmal kam mitten in der Nacht der Bürgermeister Gottfried Pein zu uns und übergab uns drei Flüchtlinge. Alle im Dorf mussten diese armen Leute aufnehmen. Wo sollten sie denn sonst hin?”

Seit ihrem 18. Lebensjahr half Gisela Küter im elterlichen Geschäft. 1954 heiratete sie ihren Günter, der aus Pommer kam. Gemeinsam erlebten sie die nächsten Jahre, die das beschauliche Dorf veränderten. “Das ging in den fünfziger Jahren so richtig los”, sagt sie nachdenklich. “Die Straßen wurden geteert und plötzlich musste man aufpassen, um nicht von einem Auto umgefahren zu werden. In vielen Haushalten gab es Telefone, man musste nicht mehr zu den Leuten gehen um mit ihnen zu klönen Der Griff zum Telefon ersparte einen Weg. Abends saß man nicht mehr mit Freunden und Nachbarn zum Klönen vor dem Haus. Das Fernsehen eroberte das Dorf und um acht Uhr abends saß man vor der Glotze und wollte nicht mehr gestört werden. Das schuf tiefe Furchen in die Gemeinde, Die Pferde wurden durch lärmende Traktoren ersetzt, Schmiede und Sattler mussten um ihre Zukunft bangen. Nun ja, und schließlich kamen die ersten Fremden ins Dorf. Sie sahen anders aus und sie sprachen eine andere Sprache als wir. Plattdeutsch verstanden die doch nicht. Das Handwerk ging zurück, die Betriebe machten dicht, die Bauern verkauften ihre Kühe und gingen in die Städte arbeiten”

Wehmütig erinnert Gisela an die alten Zeiten und sagt, dass doch jede Generation eine solche Zeit erlebt hat und immer Schwierigkeiten mit dem Wandel des Lebens hatte. “Alles im Leben ändert sich aber mit zunehmenden Alter  kann man solchen Eingriffen nicht mehr so schnell folgen.”Sie ist ein richtiger Kumpel, diese Gisela Küter aus Klinkrade. Immer zufrieden und stets gut drauf packt sie jedes Thema an, das sich ihr in den Weg stellt. “Klagen kenne ich nicht”, sagt sie und reibt in ihren Augen, die nach einem langen Gespräch leicht gerötet sind. Mit vollem Elan gibt sie sich einer Aufgabe hin, die sie sich zum Lebensinhalt gemacht hat. Sie pflegt die plattdeutsche Sprache und trägt sie mit viel Liebe und Elan in alle Welt. Bücher schreibt sie, elf sind es bisher, alle in plattdeutsch mit wunderschönen kleinen Geschichten und Versen zum Schmunzeln oder auch zum Nachdenken. Sie spielt Klavier und Akkordeon und sie besitzt ein Repertoire um eine Hochzeitsfeier einen ganzen langen Abend alleine zu unterhalten.

Sie klönte im NDR Fernsehen in der Sendung “DAS” mit dem Moderator Wilhelm Wieben, und Carlo von Tiedemann kniete vor ihren Füßen und flehte sie an, die plattdeutsche Sprache aufrecht zu erhalten. Zeitungen und Rundfunksendungen berichten über Gisela Küter und sei dies alles nicht genug an Kreativität, predigt sie auch noch an manchen Sonntagen in der Wegekapelle in Groß Gönau. Natürlich in Plattdeutsch. Im Verein der Plattdeutschen Volksgilde spielt sie unter den vierhundert Mitgliedern eine wichtige Rolle. Darüber hinaus gibt sie sich auch noch der Malerei hin. Und das ist eines ihrer liebsten Hobbys weil man auf dem Leinen etwas entstehen sieht, worüber man sie immer freuen kann. Gisela bemalt liebevoll alte Bauernmöbel oder fertigt von einem Eigenheim ein Bildnis in Öl naturgetreu an. Viele solcher Aufträge und Wünsche hat sie schon erfüllt Das beruhigt ihr Gemüt und schafft Platz für neue Ideen, wie sie sagt.

Wer Gisela Küter etwa noch nicht persönlich kennt, sollte das unbedingt nachholen. Denn sie ist eine Schatzkiste deren Deckel man nie schließen möchte. Und dieser wertvolle Schatz steht mitten unter uns in unserem Dorf Klinkrade.

Anmerkung: Gisela Küter wohnt jetzt in Ratzeburg, in ihrem neuen Heim für betreutes Wohnen.
Stand : 3/09

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